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Wissen · Körpergefühl

Leitfaden für ein gutes Körpergefühl

Was die psychologische Forschung über das Körperbild von Männern, Größenangst und evidenzbasierte Wege zu mehr Selbstvertrauen sagt.

Wichtige Quellen:Tiggemann et al. (2008)·Lever et al. (2006)·Veale et al. (2014)
45%
der Männer im normalen Größenbereich wünschen sich eine größere Größe
Lever et al., 2006
68%
der Männer berichten irgendwann von größenbezogener Angst
Tiggemann et al., 2008
30%
der Männer mit SPS liegen im normalen Bereich
Veale et al., 2014

Was ist Körperbild?

Das Körperbild ist ein mehrdimensionales Konstrukt, das umfasst, wie eine Person ihren physischen Körper wahrnimmt, über ihn denkt und für ihn empfindet. Es ist vom tatsächlichen äußeren Erscheinungsbild zu unterscheiden — das Körperbild ist ein psychologisches Erleben, keine objektive Messung.

Cash & Pruzinsky (1990) beschreiben das Körperbild als bestehend aus perzeptuellen Komponenten (wie Sie Ihren Körper sehen), kognitiv-affektiven Komponenten (was Sie über ihn denken und für ihn empfinden) und verhaltensbezogenen Komponenten (wie Sie infolgedessen handeln).

Der entscheidende Unterschied

Die Forschung zeigt durchgängig, dass die Zufriedenheit mit dem Körperbild nur schwach mit den tatsächlichen körperlichen Maßen korreliert. Ein Mann mit durchschnittlicher oder überdurchschnittlicher Größe kann ein negativeres Körperbild haben als jemand mit geringerer Größe — Wahrnehmung und Realität klaffen erheblich auseinander.

Was Männer mit ihrem Körper hadern lässt

Tiggemann et al. (2008) stellten fest, dass der soziale Vergleich der stärkste Prädiktor für die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper bei Männern war — stärker als Medienkonsum oder direkte Rückmeldungen anderer.

% der Männer, die jeden Faktor als bedeutenden Beitrag zur Körperunzufriedenheit angeben

Quelle: Tiggemann M, Martins Y, Churchett L. (2008). Journal of Health Psychology, 13(8), 1163–1172.

Small Penis Syndrome (SPS)

Das Small-Penis-Syndrom (SPS) ist kein Syndrom, das durch eine geringe Penisgröße gekennzeichnet ist — es ist ein psychisches Leiden, das durch eine übermäßige Beschäftigung mit einer als unzureichend empfundenen Größe gekennzeichnet ist, unabhängig von der tatsächlichen Größe. In der klinischen Literatur wird es dem Spektrum der körperdysmorphen Störung (KDS) zugeordnet.

Veale et al. (2014) veröffentlichten in Sexual Medicine Reviews eine klinische Übersichtsarbeit, in der sie feststellten, dass die Mehrheit der Männer, die sich in Kliniken zur Penisverlängerung vorstellen, Genitalien im normalen Bereich aufweisen. Das Leiden ist psychologischer, nicht anatomischer Natur.

MerkmalSPSTatsächlicher Mikropenis
DefinitionPsychische Beschäftigung mit der GrößeErigierte Länge <7 cm, klinisch gemessen
Tatsächliche GrößeMeist im normalen BereichUnterhalb des klinischen Schwellenwerts
HäufigkeitBis zu 68% berichten von gewissen Sorgen~0,6% der Männer
BehandlungPsychotherapie, KVTHormontherapie (bei hormoneller Ursache)
Fachärztin/FacharztPsychologin/PsychiaterUrologin/Endokrinologe

Belegte Wege zu mehr Körpergefühl

Die folgenden Ansätze werden durch begutachtete Forschung in der Psychologie des Körperbildes gestützt:

01

Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)

Starke Evidenz

Eine KVT, die auf negative Kognitionen zum Körperbild abzielt, verfügt über die stärkste Evidenzbasis. Sarwer & Crerand (2008) werteten mehrere randomisierte kontrollierte Studien aus, die deutliche Verbesserungen der Körperzufriedenheit durch KVT-basierte Interventionen zeigten — unabhängig von jeglicher körperlicher Veränderung.

02

Konfrontation mit korrekten Informationen

Mäßige Evidenz

Tiggemann (2011) stellte fest, dass die Konfrontation mit korrekten Normwerten zu Körpermaßen die Körperunzufriedenheit bei Männern verringerte — besonders, wenn diese in einem Kontext vermittelt wurden, der die Streuung normalisiert. Allein das Wissen, dass 95% der Männer erigiert in einen Bereich von 10–16 cm fallen, verringert die Größenangst.

03

Aufwärtsgerichteten sozialen Vergleich verringern

Starke Evidenz

Der soziale Vergleich — insbesondere der aufwärtsgerichtete Vergleich mit Pornografie — ist der stärkste Treiber der Größenangst bei Männern (Tiggemann et al., 2008). Pornografie zeigt überwiegend Ausreißer bei der Größe, nicht den Durchschnitt. Das Bewusstsein für diese Verzerrung ist ein bedeutsamer erster Schritt.

04

Kommunikation in der Partnerschaft

Mäßige Evidenz

Lever et al. (2006) ermittelten trotz weitverbreiteter Angst bei Männern eine Zufriedenheitsrate von 85% bei den Partnerinnen und Partnern. Eine offene Kommunikation über sexuelle Zufriedenheit — statt bloßer Annahmen — verbessert durchgängig das Erleben beider Seiten und verringert die Angst.

05

Praktiken der Körperwertschätzung

Aufkommende Evidenz

Tylka & Wood-Barcalow (2015) unterscheiden zwischen dem Körperbild (negativ oder positiv) und der Körperwertschätzung — einer positiven Haltung gegenüber den Funktionen und Fähigkeiten des Körpers, unabhängig vom Aussehen. Achtsamkeitsbasierte Übungen zur Körperwertschätzung zeigen in randomisierten kontrollierten Studien vielversprechende Ergebnisse.

Wann du dir Hilfe holen solltest

Sorgen um das Körperbild, die den Alltag, Beziehungen oder die sexuelle Funktion beeinträchtigen, können von professioneller Unterstützung profitieren. Anzeichen dafür, dass ein Gespräch mit einer Fachkraft für psychische Gesundheit sinnvoll wäre:

  • Die Beschäftigung mit der Größe nimmt mehr als 1 Stunde pro Tag in Anspruch
  • Vermeidung von Intimität aufgrund größenbezogener Angst
  • Erheblicher Leidensdruck trotz Beruhigung durch die Partnerin oder den Partner
  • Wiederholtes Kontrollverhalten (wiederholtes Selbstvermessen)
  • Größensorgen, die das Selbstwertgefühl auch in nicht-sexuellen Kontexten beeinträchtigen

Treffen diese Punkte zu, ist eine Psychologin oder Hausärztin die geeignete erste Anlaufstelle. Dieser Inhalt dient der Aufklärung und ist keine klinische Beratung.

Quellen

  1. Tiggemann M, Martins Y, Churchett L. (2008). Beyond muscles: Unexplored parts of men's body image. Journal of Health Psychology, 13(8), 1163–1172.
  2. Veale D, Miles S, Read J, Troglia A, Carmona L, Wells A. (2014). Sexual functioning and behaviour of men with Body Dysmorphic Disorder concerning penis size compared with men anxious about their penis size and with controls. Sexual Medicine Reviews, 3(2), 99–108. ↗
  3. Lever J, Frederick DA, Peplau LA. (2006). Does size matter? Psychology of Men & Masculinity, 7(3), 129–143. ↗
  4. Cash TF, Pruzinsky T. (1990). Body Images: Development, Deviance, and Change. New York: Guilford Press.
  5. Tylka TL, Wood-Barcalow NL. (2015). What is and what is not positive body image? Body Image, 14, 118–129. ↗
  6. Sarwer DB, Crerand CE. (2008). Body dysmorphic disorder and appearance enhancing medical treatments. Body Image, 5(1), 50–58.